Marrakesch

Südliche Medina, Animagarten

Fr., 02.11.2018, Marrakesch, 82 km

Um nach der ungemütlichen Nacht der dicken Augen Herr zu werden, geht es erst einmal unter die Dusche. Doch nach dem aufdrehen des Wasserhahns tut sich gar nichts. Am Waschbecken das gleiche Spiel. Im unbewohnten Nachbarraum ebenfalls kein Wasser. Wir versuchen Personal aufzutreiben, aber es ist niemand zu finden. Nach einer halben Stunde merkt endlich jemand, dass die ganze Anlage ohne Wasser ist und nimmt sich der Sache an. Offensichtlich ist die hauseigene Brunnenpumpe ausgefallen. Der Schaden ist dann schnell behoben, aber die Fülle an Pannen gibt uns mittlerweile doch zu denken.

 

Auf dem Weg zur Frühstücksterrasse fragt uns der Hotelangestellte, ob wir gut geschlafen haben und erhält eine ehrliche Antwort, dass dem nicht so war. Das bedauert er dann, fragt aber gar nicht nach woran es denn gelegen haben und was man ggf. dagegen unternehmen könnte. WLAN hatten wir auch nur in den ersten beiden Stunden nach unserer Ankunft. Der WLAN-Router hat hier offensichtlich den Charakter eines Wanderpokals. Da es zwei Gästehäuser und ein Gebäude für die Angestellten gibt, der Router aber offensichtlich nicht in der Lage ist die ganze Anlage abzudecken, wechselt der über den Tag verteilt ständig den Standort. Und weil das Haus 2 besser belegt war als unser Gebäude haben wir den Wanderpokal nicht mehr zu Gesicht bekommen. Dem entsprechend fiel unsere Planung für die nächsten Tage ins Wasser, was uns noch einige Unannehmlichkeiten bereiten sollte.

 

Wenden wir uns aber erst einmal erfreulicheren Dingen zu: Nachdem das Wasser wieder läuft geht es gegen 08:00 Uhr zum Frühstück, das auf der Terrasse des etwas entfernt liegenden Nachbargebäudes gereicht wird. Wir frösteln ein wenig auf der kühlen Terrasse, aber die Aussicht in den Garten ist wirklich toll. Das Frühstück ist gemessen am marokkanischen Standard, der überwiegend Brot mit Marmelade, manchmal ein Ei und so eine Art Pfannkuchen vorsieht sehr ordentlich, auch frischgepressten Orangensaft gibt es. Dann gesellen sich ein Berliner und ein südafrikanisches Pärchen zu uns und es entwickelt sich eine lebhafte Unterhaltung. Abgesehen vom fehlenden Wasser hatten die mehr Glück mit ihren Zimmern und sind offensichtlich recht zufrieden, also haben wir hier wohl den Schwarzen Peter gezogen. Kommt vor. 

Nach dem Frühstück geht es in die südliche Medina. Das heißt, wir müssen erneut durch das verstopfte Nordmarrakesch. Glücklicherweise haben wir uns mit den Platznachbarn so lange ausgetauscht, dass der schlimmste Verkehr bereits durch ist. Wir kommen also einigermaßen ungeschoren durch die Stadt. Trotzdem sind wir froh, als unser Auto sicher steht und wir wieder zu Fuß unterwegs sind. Lieber etwas weiter gelaufen und dafür die Nerven geschont.

Am Bab Agnaou, dem bedeutendsten historischen Torbau Marrakeschs betreten wir die südliche Medina. Eigentlich wollten wir das Tor von beiden Seiten ablichten aber hinter dem Tor ist mächtig Betrieb. Da mus ein Bus gerade seine Touriladung entlassen haben und die diskutieren nun endlos, wie sie wohl die nächsten drei Stunden verbringen. 

Also halten wir die Kamera überwiegend nach oben und hoffen, dass hier bald eine Entscheidung fallen wird. Aber die Diskussionen finden kein Ende und so wenden wir uns unserem Lieblingskaufhaus, dem Complexe D'Artisanat in der Rue de La Kasbah, Marrakesh 40000 zu.

Nachdem wir bereits zum 4. oder 5. mal hier sind, kommt uns vieles vertraut vor. Denn neben dem ganz normalen Touri-Schnickschnack gibt es hier auch jede Menge teure Handwerkskunst, die nicht jeden Tag ihren Abnehmer findet. 

Wer hier über das nötige Kleingeld verfügt, der kann schnell 10.000 oder 20.000 € los werden.


Wir sind da gezwungenermaßen genügsamer und freuen uns diese kunsvollen Liebhaberstücke überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Auch an den Fotos kann man sich schließlich erfreuen.

Mit unserem heißgeliebten Storchencafé, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Complexe D'Artisanat befindet haben wir Pech. Das ist heute zumindest geschlossen. Also bewegen wir uns in Richtung  Moulay El yazid Moschee, dann am Café Zeitoun Café vorbei  in Richtung  des jüdischen Marktes, den wir schon immer einmal in voller Blüte sehen wollten.



Am Place des Ferblantiers wurde 2016 noch heftig gearbeitet. Schön ist er geworden und lädt zum flanieren ein. Mit dem Jüdischen Markt wird es allerdings wieder nichts, unser Timing scheint verbesserungswürdig. Immerhin sind einige Läden geöffnet und wir können der dort ausliegenden Ware entnehmen, das wir hier wahrscheinlich kein gänzlich anderes Angebot antreffen würden, als wir es aus der nördlichen Medina kennen. 

Place des Ferblantiers, Marrakesch.
Place des Ferblantiers, Marrakesch.
Place des Ferblantiers, Marrakesch.
Place des Ferblantiers, Marrakesch, südliche Medina.

Den Nachmittag haben wir uns für den ANIMA-Garten von Andre Heller reserviert. Unser Fahrzeug steht strategisch günstig auf einem Parkplatz unmittelbar westlich der Stadtmauer bzw. der Medina und so müssen wir nun einfach nur schnurgerade der Straße entlang der Stadtmauer nach Süden bzw. in Richtung Ourikatal folgen, um nach 27 Kilometern das Objekt der Begierde zu erreichen.

 

Die Straße führt nicht nur ins Grüne, sondern nähert sich auch rapide dem Vorgebirge und den dahinter steil aufragenden, mehr als 3.000 Meter hohen Gipfeln des hohen Atlas. Und weil wir heute auch noch eine gute Fernsicht genießen dürfen und die bereits weit im Westen stehende Sonne die Bergflanken prächtig ausleuchtet begleitet uns diese herrliche Kulisse auf unserer gesamten Wegstrecke. Einige Male verlassen wir die Asphaltpiste und biegen auf einen der zahlreichen Schotterwege ein, um Fotos von der grandiosen Berglandschaft zu machen.

An einem Hinweisschild geht es rechts ab. Die Zuwegung erfolgt auf einer unscheinbaren, schmalen, geschotterten und von einem Wäldchen eingefriedeten Piste. Unbeschildert wäre man hier leicht dran vorbeigefahren.

Nach mehreren Kurven und einigen hundert Metern Fahrtstrecke erreichen wir den unweit des Eingangs gelegenen Parkplatz. Den Garten etwas abseits der Straße anzulegen war nicht ungeschickt, denn man weiß nie, wie sich der Verkehr zukünftig auf der jetzt schon stark befahrenen Straße entwickeln wird.

Wie gewohnt nimmt man den Ausländern auch hier ein erhöhtes Eintrittsgeld ab. Aber diesmal ist es lediglich der doppelte und nicht der 6- oder 7-fache Preis, das kann man akzeptieren, denn die 60 MDH, die ein Einheimischer zu zahlen hat, sind auch kein Schnäppchen. Wie dem Hinweisschild rechts zu entnehmen ist, gibt es eine kostenlose Busverbindung von und nach Marrakesch. Wenn man die nutzt ist der Eintritt fast schon wieder günstig.

Hinter einem hübsch gestalteten Tor öffnet sich eine grüne Oase.

Der ANIMA-Garten ist dem Jardin Majorelle gar nicht so unähnlich. Auch hier dominiert eine wunderbar komponierte Pflanzenwelt, die ihre volle Wirkung wohl erst im Sommer entfaltet, wenn eine unerträgliche Hitze über dem Land liegt. Im Gegensatz zum Jardin Majorelle beherrscht allerdings nicht ein unglaublich faszinierendes Blau die Szenerie sondern ein bunter Potpourri, teils schriller Farbkompositionen.

Auch wenn man sich erkennbar Mühe gegeben hat eine Vielzahl ausgewachsener Pflanzen in den Garten zu integrieren, sieht man diesem sein jugendliches Alter an einigen Punkten immer noch an. Es fehlt ein wenig die Patina. Aber das ist eine Frage der Zeit und die arbeitet eindeutig für den Garten.



Obwohl wir dieses Mal deutlich mehr Zeit hatten als im Jardin Majorelle, hätten wir durchaus noch etwas länger bleiben können. Vielleicht genießt man solche Gärten in Marokko intensiver, weil einem die Städte an manchen Tagen wirklich alles abverlangen.

Noch einmal fällt unser Blick nach Süden in Richtung Atlas, dann geht es zurück in das abendliche Marrakesch, das wir morgen schon wieder verlassen.