Ponta de Sao Lourenco

Mittwoch, 02.05.2018, 113 km

Wanderung auf der östlichen Landzunge Madeiras durch das Land der Dikes

Gegen 14:00 Uhr verlassen wir das Städtchen Camara de Lobos und machen uns auf den Weg in Richtung Halbinsel Ponta de Sao Lorenco. Vom Ortsausgang östlich Canical fährt man noch etwa 2,5 km und erreicht schließlich einen langgezogenen Parkplatz dessen Ende ein Wendehammer markiert, der es auch Bussen erlaubt hier zu drehen. Schon vor drei Jahren standen wir hier mit Lina und wären gerne einmal dem Wanderweg gefolgt, der in ein grünes Tal hinein startet, dessen beeindruckende Schönheit sich aber an dieser Stelle auch nicht annähernd erahnen lässt. Damals mussten wir die Segel streichen, weil unserer zwar rüstige aber immerhin schon 82 Lenze zählende Lina längeren Anstiegen nur noch bedingt gewachsen war. Jetzt nehmen wir den Faden wieder auf und wollen das ganze zu einem guten Ende bringen.

 

Kärtchen zur Wanderung auf der östlichen Landspitze Madeiras, der Ponta de Sao Lorenco.
Kärtchen zur Wanderung mit Aussichtspunkten (Quelle: openstreetmap Lizenz CC-BY-SA 2.0).
Wanderung über die Ponta de Sao Lorenco, ganz im Osten Madeiras.

Vom Trailhead führt der gut ausgebaute Weg schnell in ein kleines, von Gräsern bedecktes Tälchen und steigt dann über langgezogene, aus Brettern aufgebaute Treppenstufen deutlich an. Die Grünflächen zu beiden Seiten des Weges sind relativ öde, das mag sich zu anderen Zeiten des Jahres anders darstellen, aktuell führt es dazu, dass wir zügigen Schrittes den ersten langgezogenen Anstieg hinter uns bringen. Unsere Leichtgewichte Tina und Peter dabei natürlich immer ganz vorne, Barbara, Angelika und Michael folgen mit gebührendem Abstand, wie gehabt.

 

Auch heute ist wieder ganz schön Betrieb auf der Wanderstrecke, aber die Wege bieten einfach mehr Ausweichmöglichkeit und die stets vorhandenen Fernsicht lenkt die Blicke weg von den Wanderergruppen in alle Himmelsrichtungen.

Herrliche Einblicke in die vulkanische Natur der Insel Madeira.

Erste herrliche Einblicke in die vulkanische Natur der Insel.

Wanderung Ponta de Sao Lorenco, Madeira

Wie die Ameisen kraxelt alles Hang hoch und Hang runter. Um die Menschenkarawane besser erkennen zu können, Aufnahme mit einem Klick vergrößern.

Da wir uns kleidungstechnisch auch auf windige Geländeabschnitte und einen am Abend etwas kühleren Heimweg einstellen mussten, sind wir bei nachmittäglichen Wohlfühltemperaturen jetzt etwas overdressed und so kommen insbesondere die zuletzt genannten schon etwas ins Schwitzen, bis wir die erste Anhöhe erreichen. Hier hat man nun bereits eine herrliche Aussicht auf die blauen Fluten zu beiden Seiten der Halbinsel.

Aussichtspunkt 2 in Kärtchen zur Wanderung. Blickrichtung Nord.
Aussichtspunkt 2 in Kärtchen zur Wanderung. Blickrichtung Nord.
Blick zurück auf Aussichtspunkt 2 in Kärtchen zur Wanderung. Gut zu erkennen die zum linken unteren Bildrand in Richtung Meer verlaufende Treppe. Blickrichtung West.
Blick zurück auf Aussichtspunkt 2 in Kärtchen zur Wanderung. Gut zu erkennen die zum linken unteren Bildrand in Richtung Meer verlaufende Treppe. Blickrichtung West.

Da die Bergrücken der Halbinsel, vielleicht sollte man besser von Hügeln sprechen deutlich weniger hoch aufragen, als die Kämme der Hauptinsel selbst, bietet sich diese Wanderung insbesondere auch für Tage an, an denen dichte Wolken die höheren Lagen einnebeln oder gar mit Regenschauern überziehen. Denn weil die Luftmassen an diesem östlichsten Zipfel nicht weit aufsteigen müssen, bilden sie seltener Wolken aus und kommt es doch einmal zur Wolkenbildung, dann halten diese ihre feuchte Fracht in luftiger Höhe fest und entladen sie seltener über den Köpfen der Wanderer.

War die Vegetation schon bisher nicht gerade üppig nimmt die Landschaft nun einen semiariden Charakter an. Die Gräser ziehen sich auf von Regenschauern begünstigte Flächen zurück und das unter der Vegetationsdecke üblicherweise beerdigte Gestein tritt offen zutage.

Eine Abfolge mehr oder weniger horizontal übereinander abgelagerter Aschelagen und Lavadecken wird insbesondere an den zahlreich vorhandenen Steilwänden sichtbar. Sieht man sich diese Wände einmal genauer an, werden sie durch überwiegend senkrecht verlaufende, wenige Dezimeter bis einige Meter breite auch farblich deutlich zu unterscheidende Strukturen durchkreuzt. Diese schmalen Gänge, auch Dikes genannt sind ein Charakteristikum des lokalen Vulkanismus, deshalb könnte man die Halbinsel auch als Land der tausend Dikes bezeichnen.

Die Wege werden nun enger und münden teils in einen Trampelpfad, der an kritischen Stellen stets gut mit den bereits bekannten mit Kunststoff ummantelten Stahlseilen gesichert ist. Entgegen kommenden Wanderern auszuweichen ist auf diesem Wanderweg, der ja keiner Levada folgt, die irgendwelchen Felswänden teils mühsamst abgerungen werden musste, meist möglich, denn die angrenzenden Hügelflächen bilden lediglich ein unebeneres Geläuf aber selten ein unüberwindliches Hindernis und höchst selten eine Abbruchkante, die 200 m in die Tiefe führt aus.

Von Dikes durchschlagene Lavadecken auf Madeiras östlicher Halbinsel.

Dikes, Dikes und nochmal Dikes.

Foto Barbara Kritzinger.
Foto Barbara Kritzinger.
Aussichtspunkt 3 in Kärtchen zur Wanderung.
Aussichtspunkt 3 in Kärtchen zur Wanderung.

Die gelbbraunen, violettgrünen, grauschwarzen, durch Frittung (Glossar) ziegelroten, von hellgrauen Dikes durchzogenen und von grünen Grasteppichen begrenzten Bergflächen bilden ein einzigartiges, pastellfarbenes Naturgemälde. Immer neue Steilhänge ziehen uns in ihren Bann und man möchte den Blick gar nicht abwenden.

Aussichtspunkt 4 in Kärtchen zur Wanderung.
Aussichtspunkt 4 in Kärtchen zur Wanderung.
Foto Barbara Kritzinger.
Foto Barbara Kritzinger.

Der Wanderweg schwenkt mal auf die südliche und mal auf die nördliche Seite der Halbinsel und folgt in beständigem Auf und Ab den morphologischen Launen der Natur. Das strengt bei einer immer noch recht kräftigen Sonneneinstrahlung ganz schön an, es frustriert auch ein wenig, wenn man auf einem der gegenüberliegenden Bergrücken einen beständig ansteigenden Trail über hunderte von Metern verfolgen kann, wohl wissen, dass dieser noch zu bezwingen ist. Andererseits ist es immer gut den Gegner zu kennen, und wenn man sich vor Augen führt, dass auch dort drüben wieder atemberaubende Ausblicke auf uns warten ist die Aussicht auf weiterhin schweißtreibende Aufstiege nur noch halb so schlimm.

Blick auf den östlichsten Teil der Ponta de Sao Lorenco.

Manchmal führt der Weg auch unmittelbar an die steil ins Meer abfallenden Flanken der Bergrücken heran. In der Tiefe hört man dann die gegen den Fels schlagende Brandung, je nach Sonnenstand trifft man auch schattige Aussichtspunkte an und über den blauen Fluten aufsteigenden kühlen Brisen werden als besonders angenehm empfunden.

Um 15:45 Uhr sind wir losgelaufen, gegen 17:00 Uhr nehmen wir in der Ferne erstmals die palmengesäumte Rangerstation wahr, die den eigentlichen Umkehrpunkt unseres Wanderweges markiert. Etwa 500 m oberhalb der Rangerstation teilt sich der Weg in eine etwas angenehmere Nordost- und eine etwas weniger angenehme Südwestroute. Da wir beide Routen begehen wollen, ist es wurscht welche wir zuerst auswählen und so entscheiden wir uns mit der unangenehmeren zu beginnen und erreichen dann gegen 17:30 endlich dieses Ziel.

Aussichtspunkt 5, Kärtchen zur Wanderung, Wand in vollem Gegenlicht.
Aussichtspunkt 5, Kärtchen zur Wanderung, Wand in vollem Gegenlicht.
Palmengesäumte Rangerstation auf der Ponta de Sao Lorenco.

Am Ende des gepflasterten Pfades erwartet uns eine gemütliche Rast unter Palmen.

Palmengesäumte Rangerstation auf der Ponta de Sao Lorenco.

Die Station ist zwar nicht bewirtschaftet aber zwischen den Palmen sind ausreichend Rastmöglichkeiten, wo man es sich unter den gegebenen Umständen an Tischen und Bänken recht bequem machen kann, um im Schatten der Bäume dem Müsiggang zu frönen. In weißer Voraussicht haben wir natürlich ausreichend Essen und Getränke mitgebracht, die wir uns nun verdientermaßen einverleiben.

Wie sich herausstellt, kann man den Wanderweg noch ein klein wenig verlängern, indem man den östlich der Rangerstation befindlichen Hausberg besteigt. Am Fuß des Hügels ist das noch eine gemütliche Angelegenheit.

Der Aufstieg ist ein wenig tricky, weil der Untergrund aus vulkanischen Lockergesteinen aufgebaut ist, die beim Auf- und Abstieg kiesgroße Gesteinsfragmente absondern und die Strecke im Verbund mit dem recht steilen Anstieg hierdurch selbst in trockenem Zustand recht rutschig machen.

Außerdem haben die Besuchermassen entlang dieses Wegabschnittes auch eine Art menschliche Erosion verursacht, wodurch einzelne Passagen ganz schön mitgenommen sind, was sich in unangenehm hohen und deformierten Trittstufen äußert, was wiederum die Trittsicherheit nachteilig beeinflusst.

Die Aussicht wird mit jedem Höhenmeter grandioser.

Das Ende der östlichen Landspitze Madeiras.
Das Ende der östlichen Landspitze Madeiras. Im Bildhintergrund rechts die in ca. 20 km Entfernung befindlichen Ilhas Desertas, bestehend aus den Inseln Ilhéu Chão, Deserta Grande und Bugio, dem Felsen Prego do mar und einigen unbenannten kleinen Felsen.

Jetzt haben wir noch einmal richtig Schweiß vergossen aber auch das konnte uns nicht davon abhalten auch diesen letzten, etwas mühsamen Anstieg noch ins Visier zu nehmen und so stehen wir nach etwa 15 Minuten auf dem derzeit östlichsten erwanderbaren Aussichtspunkt Madeiras und genießen ein weiteres Mal den Fernblick auf den verbliebenen Teil der Halbinsel, auf eine nachgelagerte Insel, die ca. 25 km südwestlich gelegenen und die unbewohnten Ilhas Desertas. Und selbst die gut 40 km nordöstlich der Halbinsel gelegenen Insel Porto Santo bleibt uns bei diesem prächtigen Wetter nicht verborgen.

Aussichtspunkt am Ende der östlichen Landspitze Madeiras.
Aussichtspunkt 6 in Kärtchen zur Wanderung.

Gipfelfoto bei bester Laune angesichts der Ausblicke und des sonnigen Wetters.

Aussichtspunkt 6 in Kärtchen zur Wanderung.
Aussichtspunkt 6 in Kärtchen zur Wanderung.

Schon geht es zurück zur Rangerstation.

Django zahlt heute nicht. Django hat eine Monatskarte!
Django zahlt heute nicht. Django hat eine Monatskarte!

Hier machen wir vor dem anstrengenden Rückweg noch einmal Rast und erfreuen uns an der lokalen Fauna und Flora.

 

Gegen 18:00 Uhr machen wir uns auf den Rückweg, folgen dabei zunächst dem nördlichen Teil des Rundweges durch das Grasland westlich der Rangerstation, um nach 10 Minuten wieder den Hauptweg zu erreichen. Auch wenn wir nun den Rest des Weges schon kennen. Eigentlich könnte man nun auf weitere Fotos verzichten, aber das frühabendliche Licht legt nun seinen dezenten Zauber über die Landschaft und da kann Michael einfach nicht widerstehen.

 

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen, jetzt erst recht, wo uns doch schon die km des Hinweges in den Knochen stecken. Aber mit kleinen Pausen und gemächlichem Schritt wird jedes Hindernis gemeistert. Unsere beiden Leichtgewichte Tina und Peter sind uns längst enteilt. Fotos sind ohnehin nicht ihr Ding und sie wollen einfach nicht so lange schwitzen, also geben sie Fersengeld.

Schon haben wir die Rangerstation ein ganzes Stück hinter uns gelassen.

Hier konnte man heute Mittag im Gegenlicht kaum fotografieren, jetzt kann der mühsame Anstieg sauber dokumentiert werden.

Kaum liegt der Steilanstieg hinter uns, kommt die nächste, scheinbar unendliche Teilstrecke.

Endlich der letzte langezogene Anstieg. Uns qualmen die Socken, wir haben richtig Brand, haben die Tageshitze doch etwas unterschätzt und können es kaum erwarten endlich den Parkplatz vor uns zu sehen.

Gegen 20:00 Uhr erreichen auch die Nachzügler Angelika und Michael den Parkplatz. Uff, für heute reicht es. Gut dass unser Taxifahrer Peter bereitsteht, die Wanderleichen in die Unterkunft zu bringen. Die Tour heute war wirklich ein fantastisches Kontrastprogramm zum immergünen, feuchten Norden der Insel aber auch zu der "Hochgebirgstour" zum Pico Ruivo.