Hiddensee

Wanderung Neuendorf - Kloster

Mittwoch, 22.09.2021

Übersichtskarte Hiddensee (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Parkplatz Schaprode für Ausflügler nach Hiddensee (Quelle: openstreetmap, Lizenz CC-BY-SA 2.0).

Unser Nachtquartier in Trent auf dem Parkplatz eines ehemaligen griechischen Restaurants. Nicht gerade hübsch, aber zweckmäßig. Ganz so ruhig, wie wir dachten, ist es allerdings nicht. Ganz so ruhig wie wir dachten, ist es allerdings nicht. Der Parkplatz bildet die kürzeste Verbindung zwischen zwei Landstraßen und so nutzen insbesondere Landwirte mit ihren schweren Maschinen gerne diese Abkürzung. Bis gegen 22:30 Uhr ist gelegentlich richtig Betrieb, aber wir haben uns in die äußerste Ecke des Platzes zurückgezogen und so lärmempfindlich sind wir nicht.

 

Auch am Morgen rückt schon um 7:00 Uhr ein Bautrupp an, also frühstücken wir heute etwas zeitiger und machen uns auf Richtung Schapersdorf, wo um 08:00 Uhr die Fähre nach Hiddensee ablegt.

Wir sind ein wenig unschlüssig, ob wir die Räder mitnehmen sollen, weil wir dann einen größeren Aktionsradius hätten. Doch Angelika will heute lieber laufen und ganz zufällig ist es auch so, dass die Fährüberfahrt für das eigene Fahrrad 6 Euro kostet, während ein Mietrad auf der Insel 5 € kosten würde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der Fairness halber muss man hinzufügen, dass diese Regelung nicht ostseespezifisch ist. Wir beschließen zunächst die zentral gelegene Gemeinde Neuendorf anzusteuern, um von dort in den nördlichsten Hafen Kloster zu laufen und von dort aus am Abend nach Schapersdorf zurückzukehren. Das bedeutet dann aber auch, dass wir die Gebiete südlich Neuendorf links liegen lassen müssen.

Kurz nach 08:00 Uhr legen wir ab und lassen Schapersdorf hinter uns.

Die Wetteraussichten sind zunächst noch bescheiden. Für die Bootsfahrt sind wir eigentlich zu dünn angezogen, aber es gibt immer etwas zu sehen und so können wir uns vom windigen, offenen Oberdeck einfach nicht verabschieden.

Erst einmal ein Selfie machen und Lächeln nicht vergessen.

Als wir nach etwa einer halben Stunde Fahrt in Neuendorf anlegen, frösteln wir ganz schön. Der Himmel wird noch bis zum späten Vormittag grau bleiben, aber es ist trocken und die Sonne soll irgendwann durchdringen.

Schon geht es in Richtung Insel. Der erste Kilometer nördlich Neuendorf ist relativ langweilig, deshalb schlagen wir einen Haken in Richtung Ostseestrand und lassen uns noch einmal die kühle Brise um die Ohren wehen.

Unterwegs kommen wir an einer Weide vorbei, Tiere ziehen Angelika immer magisch an und wenn sie noch so streng riechen.

Sanddorn sieht man häufig auf Hiddensee.

Auch der Strand bietet eine schöne Abwechslung, einige Hartgesottene gehen zu dieser frühen Stunde sogar baden. Für Michael wäre das Folter pur, trotz des vorhandenen Hüftgoldes.

Hier wird gelegentlich gegrillt. Das macht bestimmt mächtig Spaß an Tagen mit einem schönen Sonnenuntergang.

Nun folgen wir zwischen westlichem Strand und Hauptstraße, einem naturbelassenen Weg, der zunächst durch kleine Wäldchen und schließlich durch eine ausgedehnte Heidelandschaft führt. 

Östlich der Heide schließt ein Kiefernwäldchen an.

Das anfangs noch schmale Heideband wird zunehmend breiter.

Die Heideflächen sind ausgedehnter, als wir uns das anfangs vorstellen konnten. Mitte August, wenn die Heide blüht, ist das bestimmt ein herrlicher Anblick. Allerdings wird die Insel da auch mehr als gut besucht sein.

Die Heide kann auch ein Eldorado für Spinnen sein.

Schönes Tier.

Auch Flechten nehmen relativ große Areale ein.

Ein Birkenwäldchen schließt sich an. Wir sind wirklich überrascht, wie vielgestaltig sich die Heidelandschaft präsentiert.

Einige wenige, allerdings kleine Dünen sind auch eingeschaltet. Das sich kurzweilig durch die Heide schlängelnde Band lässt uns vergessen, dass wir noch ein ganzes Stück Weg vor uns haben.

Ein Farbtupfer in einer ansonsten grünbraunen Landschaft.

Von Flechten überwuchertes Gehölz.

Und nochmals breitet sich die Heide aus.

Auch Eichensolitäre sieht man immer mal wieder.

Schließlich verlassen wir die Heide und erreichen wieder die Hauptstraße bzw. den Fahrradschnellweg.

Die direkte Verbindung zwischen den Gemeinden Neuendorf, Vitte und Kloster bildet eine ca. 8 km lange, gepflasterte Straße. Hier kann man gemütlich laufen oder auch Rad fahren, Autoverkehr gibt es ja bis auf einige Versorgungs- und Baufahrzeuge keinen. Der Weg eignet sich allerdings nur um schnell voranzukommen, führt ansonsten an allem vorbei, was sehenswert ist. 

Südlich des kleinen Örtchens Vitte verlassen wir die Hauptstraße und folgen dann der gepflasterten Deichkrone gen Osten, bis wir das Örtchen mit seinem kleinen Hafen erreichen.

Der Jachthafen bildet eine willkommene Abwechslung. Wie schon in Neuendorf gibt es Schnellrestaurants, in denen man sich verpflegen kann und die üblichen malerischen Bilder eines kleinen Jacht- und Fischereihafens. Bis Kloster ist es nun nicht mehr weit.

Der Hafen von Vitte.

Nördlich Vitte wird die Insel wieder deutlich schmäler. Noch einmal zieht es uns an den Ostseestrand, dann folgen wir unweit des Strandes einem Hohlweg, der unmittelbar hinter der Dünenkrone schnurgerade in nördliche Richtung verläuft.

An stürmischen Tagen kann man hier gut geschützt immer noch spazieren gehen, aber von der Landschaft sieht man nichts. Dünengräser, Sanddorn und Hagebutten sind hier die Blickfänger.

Schön anzuschauen, die Dünengräser.

Herrlicher Sandstrand auf der Westseite der Insel.

Auf der Hauptverkehrsstraße geht es nun schon auf Kloster zu. Die Zahl der Spaziergänger steigt deutlich an und mehrer Pferdekutschen kommen uns entgegen.

Schon nähern wir uns den ersten Häusern. Aus den 8 Kilometern Laufweg von Neuendorf nach Kloster sind dank diverser Umwege inzwischen deutlich mehr als 10 geworden.

Der Dichter und Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann besuchte die Insel 1885 zum ersten Mal. In jener Nacht auf Hiddensee schrieb er eines seiner schönsten Gedichte "Die Mondscheinlerche" im ehemaligen Gasthaus Gau in Kloster. Um ungestört arbeiten und wohnen zu können, erwarb er in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts das ehemalige‚ "Haus Seedorn" von der Gemeinde Hiddensee, das er um einige Anbauten erweitern ließ. Seit 1951 (fünf Jahre nach seinem Tod) ist es als Gedenkstätte der Öffentlichkeit zugänglich.

Natürlich müssen wir uns auch Kloster genau ansehen und darüber hinaus befindet sich der vielleicht schönste Teil der Insel noch nördlich von Kloster, sodass zusätzliche Kilometer und Anstiege zu bewältigen sind.

Wir schlendern erst einmal eine gute Stunde durch Kloster. Die Sonne hat schon ab 11:00 Uhr die Wolkendecke immer stärker durchdrungen und inzwischen ist es richtig angenehm warm. Für die Nachsaison ist hier ganz schön Betrieb. Viele Tagesbesucher lassen sich wohl von Schapersdorf direkt nach Kloster bringen, weil sie ortskundig sind und wissen, dass sich hier der schönste Teil Hiddensees befindet.

Nun kommt der anstrengendste Teil unseres Tagesausflugs. Gegen 13:00 Uhr machen wir uns auf den Weg in Richtung Leuchtturm Dornbusch. Die Zuwegung ist erst einmal ziemlich öde. Die Piste besteht aus trapezförmig betonierten Formteilen, die mehr oder weniger plan verlegt sind. Zweckmäßig halt, aber für Fahrräder und selbst für Fußgänger unangenehm. Der Weg steigt nun beständig, aber moderat an, die Steigung ist gut zu bewältigen, aber die Sonne treibt uns dann doch etwas den Schweiß auf die Stirn und die Rucksäcke sorgen für feuchte Rücken.

Die umliegenden Hügel werden von niederen Gehölzen und Ginster eingenommen. Wenn der blüht sicherlich schön anzuschauen, aber jetzt etwas trist. Immerhin geben vereinzelte Aussichtspunkte nun die Sicht auf die offene See im Westen und mehr noch auf die Boddengewässer im Osten frei. Und die Fernsicht empfindet der Mensch ja immer als angenehm, denn er ist nun einmal neugierig und möchte wissen, was hinter dem nächsten und dem übernächsten Bergrücken interessantes zu sehen sein könnte.

Auf den höchsten Erhebungen angekommen tauchen wir kurz in ein kleines Wäldchen ein und sehen schließlich den Leuchtturm in wenigen hundert Metern Entfernung vor uns. Es sind ganz schön viele Wanderer, die den Weg hier hoch gesucht und gefunden haben und endlich haben sich auch jüngere Leute mit Kindern unter die Besuchergruppen gemischt. In der Nebensaison sind die halt überwiegend Arbeiten, da kommt man sich manchmal wie in einem Sanatorium vor.


Vom Rand des Wäldchens aus hat man den schönsten Blick auf den 1888 errichteten 28 m hohen Leuchtturm. Jetzt geht es noch einmal runter ins Tälchen und nach einem letzten kleinen Anstieg können wir uns im Schatten des Turms niederlassen.

 

Man könnte den Turm auch besteigen, für Michael in der Regel ein Muss. Aber über der See ist es trotz Sonne ziemlich diesig, man sieht nicht allzu weit und der Andrang auf die Aussichtsplattform ist ziemlich groß, da fällt das heute mal pandemiebedingt aus.

Jenseits des Leuchtturms ist so eine Art Hochplateau ausgebildet, von dem aus man den Steilküstenabbruch erreichen kann, der ist auf Hiddensee aber weniger spektakulär als auf Rügen, deshalb schenken wir uns das letzte Stück des Weges.

Jetzt wird erst einmal Rast gemacht in einem nahe gelegenen Gasthaus mit Biergarten. Das süffige Sanddornbier kommt Michael gerade recht.

Eigentlich wollten wir nun über einen Rundweg, der uns noch einmal an den Westrand der Insel geführt hätte, zurück nach Kloster. Aber wir verlaufen uns in dem kleinen Wäldchen und sind schneller in Kloster zurück, als wir uns das vorgestellt haben.

Die tief stehende Sonne mit ihrem gleißenden Licht versperrt uns die Fernsicht.

In Kloster angekommen endet der Spuk.

Möchte mal wissen, wie viele dieser kleinen Jachthäfen an der deutschen See existieren.

Eine Stunde noch müssen wir uns in Kloster die Zeit vertreiben, ehe die Fähre ablegt. Nachdem wir nun aber doch 18 km auf der Laufuhr haben, sind wir ganz schön platt und eigentlich ganz froh, dass wir uns noch etwas ausruhen können.

So trist der Tag anfing, so strahlend steht nun die Sonne an einem fast wolkenlosen Himmel. Es ist die letzte Fähre und das Boot wird proppenvoll. Wir haben Glück, dass wir rechtzeitig am Kai sind und so noch einen Sitzplatz auf dem Außendeck ergattern können.

Das Boot folgt dem Boddengewässer entlang der Ostküste Hiddensees und fährt zunächst noch einmal nach Neuendorf, um auch dort die letzten Tagesbesucher einzusammeln.

Unterwegs treffen wir auf die letzte Fähre von Vitte, die sich nun ebenfalls in Richtung Schapersdorf bewegt.

Obwohl das Boot schon recht voll ist, nehmen wir bei einem letzten Zwischenstopp in Neuendorf noch Tagesausflügler auf und dann geht es endlich zurück zum Womo.

Rückfahrt nach Schaprode. In der Ferne erkennt man die Silhouette von Stralsund. In der Mitte des Wäldchens, die Rügenbrücke.

Als wir in Schapersdorf ankommen, steht die Sonne schon richtig tief. Bei der Aussicht können wir jetzt unmöglich gleich zum Womo durchlaufen. Also positionieren wir uns an der Kaimauer und warten geduldig, bis die Sonne sich dem Horizont nähert, um die schöne Abendstimmung noch einzufangen. Über spektakuläre Sonnenuntergänge auf Hiddensee haben wir schon einiges gelesen, nun ist uns auch einer vergönnt. Schön!

Als wir den Parkplatz in Schapersdorf erreichen, ist es bereits 19:30 Uhr, um 20:00 Uhr wird abgeschlossen. Das Wachpersonal scharrt schon mit den Hufen, eine Flügeltür ist bereits zu, aber die verbleibende ist ausreichend breit, um mit unserem Fahrzeug durchzukommen. Eigentlich wollten wir uns für die Nacht eine neue Bleibe suchen, aber wegen der fortgeschrittenen Zeit setzten wir lieber auf das, was wir schon kennen und fahren noch einmal nach Trent, um auf dem dortigen Parkplatz zu übernachten. Wieder fahren die Trekker bis in den späten Abend hinein, aber wir machen es uns vor dem Fernseher gemütlich und schlafen nach dem anstrengenden Tag tief und fest. Das war wirklich schön, heute.